Montag, 20.Januar 2014 - Ansehen

Ansehen

 

In der  vergangenen Woche saß ich wieder einmal im Wartezimmer der Augenklinik in Bremen. Seit zwei Jahren bringe ich meine Tochter regelmäßig dort hin.  Untersuchungen, Operationen und Therapien sollen ihr Sehen verbessern.

Man kommt ins Wartezimmer, schaut  kurz die anderen Patienten an und vertieft sich dann in irgendwelche Zeitschriften, die ausliegen.
Die anderen Wartenden schaut man meistens nur flüchtig an.
Man nimmt sie kaum wahr.

Ich möchte meine „innerliche“ Sehkraft untersuchen.

Ich möchte andere Menschen nämlich öfter ansehen, wenn ich ihnen begegne.

Denn:

Jemanden ansehen - das ändert sein Ansehen.

Ansehen hat  es mit Wertschätzung zu tun.

Ich nehme jemanden bewusst wahr.

Ich möchte weniger vorbei- oder wegschauen.

Nachmittags bin ich in die „Sehschule“ gegangen.

Ich war zu Fuß in der Stadt unterwegs und habe besonders auf einzelne Menschen geachtet. Eine ältere Dame kam mir entgegen. Sie sah ziemlich muffelig aus.
Ich habe sie ganz bewusst angesehen und dann hat sie – gelächelt.

Ich meine, sie hat mich angelächelt noch bevor meineMundwinkel überhaupt zu einem Lächeln in der Lage gewesen wären.

Und ich habe zurückgelächelt.
Und noch eine ganze Weile vor mich hin gelächelt.

Sieh mal an ....

Freunde

 

Samstag. Endlich wieder mal Zeit, meine Freunde zu treffen.

Heute werde ich ihnen vielleicht ein Gedicht über Freunde vortragen,
wenn ich sie treffe. Mein Kollege Albrecht Gralle hat es geschrieben.

Freunde

Freunden kann auch mal der Kragen platzen,

wenn sie mit dir reden,

aber nur, weil ihr Herz für dich bis zum Halse schlägt.
Freunde stört es nicht, bei dir fernzusehen,

auch wenn du schon längst ins Bett gegangen bist.
Freunde beten viel für dich und sagen:
„Hab neulich mal kurz an dich gedacht!“
Freunde möchten deine Welt kennenlernen
und entdecken immer neue Erdteile.
Freunde erleben dich mit verklebten Augen,

ungewaschenen Haaren
und sehen dahinter deine Einzigartigkeit und Schönheit.
Freunde können es sich leisten, bei einem Witz, den du erzählst,
nach der Pointe zu fragen.

Bei Freunden kannst du nachts um halb drei klingeln und sie fragen dich: „Kaffee oder Tee?“
Freunde reden manchmal blödes Zeug,
weil sie wissen, dass du keine Goldwaage im Keller hast.

Freunde kennen sich nicht in deiner Brieftasche aus,
dafür aber in deinem Kühlschrank.
Freunde geben dir im Winter ihr letztes Hemd und behaupten,
sie wollten sich sowieso gerade sonnen.


Freunde machen es so ähnlich wie Gott:
Sie mögen dich so, wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich verändern kannst.

Handy Menschen Wunder

 

Sie heißen iPhone, Galaxy,  Lumia und  Xperia !

Sie haben Namen, die Handys, die zur Abschaffung von Telefonzellen geführt haben. Auch ich habe meine ganz persönliche Telefonzelle ständig bei mir. Und sie ist nützlich und hilfreich.  Meine Tochter – und ich kann es ihr bisher nicht abgewöhnen – nutzt ihr Handy sogar während sie Fahrrad fährt.  Das ist gefährlich: Mit der einen Hand lenkt sie, mit der anderen simst sie. Jugendliches Multitasking.
Auch ich kann mit meinem Handy viel mehr als telefonieren!
Ich kann chatten, simsen, spielen, surfen.
Ja, es sind schon kleine Wunderwerke, diese Handys.

Manche Menschen mögen mobile  Multifunktionsgeräte so sehr,
dass sie ihnen erlauben, sich einzumischen, wenn sie mit anderen Menschen sprechen. Auch bei mir piept, rüttelt oder klingelt es manchmal mitten in einem Gespräch mit real existierenden Menschen.

Zu Silvester haben ich mir etwas vorgenommen:

Ich möchte mehr Vier-Augen-Gespräche führen.
Immer öfter stelle ich mein kleines Technikwunder ganz aus.
Und ich widme mich ganz den Menschen, die mir gegenüber sind.
Sie heißen nicht IPhone, Galaxy, Lumia oder Xperia.
Sie heißen Jörg, Anette, Helmut oder Jaqueline.

Sie haben Namen.
Die Menschen.
Die großen Wunder Gottes.

Namaste

 

kurz & gut / Mittwoch, 23.Januar 2013

Guten Morgen, good morning, bonjour, gynaidin, ....

das sind morgendliche Begrüßungen, die mir einigermaßen vertraut vorkommen.

Das norddeutsche „Moin“ höre ich besonders gerne. Eher langweilig und einfach so dahergesagt empfinde ich die Begrüßung „Hallo“.

Ein Bekannter von mir war vor kurzem ein paar Wochen in Indien und Nepal unterwegs.  Er erzählte mir, dass er ganz schnell die dort übliche Begrüßungsformel lernte: „Namasté“. Oder, wenn man es noch höflicher zu seinem gegenüber sein möchte: „Namstar“.

Diese Worte sind eher mit dem bayrischen „Grüß Gott“ als mit einem norddeutschen „Moin“ oder  einem französischen „Bonjour“ zu vergleichen.

Denn Namaste bedeutet übertragen: „Ich sehe Gott in dir!“
oder auch „In dir begegnet mir Gott!“

Viele Asiaten wissen um diese alte Bedeutung ihrer Begrüßung nicht mehr.

So wie man in manchen Regionen Deutschlands sich ja auch mit „Grüß Gott“ begrüßt und sich damit eigentlich einen „Guten Tag“ wünscht.


Ganz gleich, welche Wörter ich bei einer Begegnung verwende, wenn ich Menschen schon bei der Begrüßung mit Gott in Verbindung bringe, dann verändert das meinen Blick auf sie und bestimmt auch meinen Umgang mit ihnen:

Jeder Mensch ist von Gott gewollt.
Jeder Mensch ist von Gott geliebt.

Jeder Mensch ist ein Zeichen der Kreativität und Vielfalt Gottes.

Jeder Mensch!

Ja, manchmal entscheidet die Begrüßung über die weitere Begegnung.

Namaste!

 

Lächeln

 

kurz & gut / Dienstag, 22.Januar 2013


„Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“

Weise Worte von Charlie Chaplin, der viele Menschen zum Lächeln gebracht hat.
Der Komiker hat bei vielen Menschen durch seinen Humor, durch seine Art, Dinge zu nehmen oder Begebenheiten darzustellen, für ein Lächeln gesorgt.

Man braucht nicht unbedingt einen Komiker um sich zu haben, um das Leben in einem anderen Licht zu sehen.
Vielleicht haben wir das Glück, von Menschen umgeben zu sein, die uns wohl gesonnen sind, die uns freundliche, lächelnde Blicke zuwerfen, sobald sie uns sehen.

Dann fühlen wir uns angenommen, freundlich wahrgenommen und gleich irgendwie besser. Und auf Menschen, die uns anlächeln, reagieren wir viel positiver als auf Leute mit düsterem Blick.

Die weisen Worte  über das Lächeln kann man gut mit weisen Worten aus dem Mund Jesu kombinieren:
„Was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihnen auch!“

Das ist für Jesus eine wichtige Zusammenfassung für ethisches Verhalten.

Und man kann diese weisen Worte ganz einfach ausprobieren:

„Was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihnen auch!“

Wenn ich möchte, dass mich jemand anlächelt, einfach, weil dann das Leben schöner ist, dann sollte ich sie oder ihn anlächeln.

Was möchte ich denn noch, dass die Leute mir tun?

Ich möchte, dass sie freundlich über mich reden.

Das tue ich jetzt auch ganz neu. Ich rede freundlich über andere.

Ich möchte ernst genommen werden.

Ich nehme meine Kollegen wieder ernst.

Ich möchte offen und ehrlich angesprochen werden.

Ich gehe offen und ehrlich auf meine Mitmenschen zu.

Es geht.  Ich behandle andere Menschen so, wie ich von ihnen behandelt werden möchte.

Viele Begegnungen werden mir und anderen ein Lächeln auf die Lippen zaubern.



Dunkle Tage/ Licht

 

kurz & gut / Montag, 21.Januar 2013

Langsam werden sie wieder länger, die dunklen Tage des Jahres.
Abends ist es aber doch noch recht früh dunkel.

Hin und wieder zünde ich in diesen Tagen noch einmal unsere letzten unverbrauchten Weihnachtskerzen an.
Sie strahlen gemütliche Wärme  und sanftes Licht aus.
Jesus hat in seinen Reden oft Bilder verwendet, die seine Zuhörer aus ihrem Leben kannten. Einmal sagte er: „Ihr seid das Licht der Welt!“
Dabei ging es ihm nicht um Jahreszeiten, Sonnenstrahlen oder dunkle Tage.
Es ging ihm um das Gute, das Lebensfördernde und Hilfreiche, das von  Christen ausgeht: „Wenn man ein Licht anzündet,“ sagte Jesus, „dann stellt man es nicht unter einen Eimer, sondern auf einen Leuchter, so dass es allen, die im Haus sind leuchtet!“

Für Jesus war das selbstverständlich, dass seine Leute dafür sorgen,
dass es bei anderen Menschen hell wird und dass sie Orientierung finden.
Für Jesus ging es nicht um eitel Sonnenschein.
Er wollte, dass seine Leute selbst „Sonne“ oder eben „Licht“ sind für die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens leben.


Ganz gleich, ob der heutige Tag ein verregneter oder sonnenverwöhnter Tag ist: Ich kann ihn durch mein Reden und Handeln für andere hell machen.

Schöne Aussichten für meine Mitmenschen!

Sie haben keinen Wein mehr!

 

Es war vielleicht an einem Samstagabend, als die Mutter von Jesus ihrem Sohn sagte: „Sie haben keinen Wein mehr!“
Wochenende. Eine Hochzeit findet statt. Wer einmal erlebt hat, dass Essen oder Trinken bei einer Hochzeit nicht ausreichen, der weiß, wie peinlich eine solche Situation sein kann.

„Sie haben keinen Wein mehr!“
Das sagt Maria, die Mutter, zu Jesus, ihrem Sohn.
In der festen Annahme, dass er Abhilfe schaffen kann.
Jesus weigert sich eine Zeit lang gegen die dränglerische Aufforderung seiner Mutter.
Ein ganz normaler erwachsener Sohn, der selbst bestimmen will, wann er was tut.
Und dann sorgt er doch noch für neuen Wein.

Das erste Wunder Jesu, welches im Johannesevangelium überliefert wird, nimmt seinen Lauf: Jesus lässt Wasser in Weinkrüge füllen. Der Chefkoch der Hochzeit probiert das Wasser, das keins mehr ist und ruft  empört den Bräutigam:
„Normalerweise  gibt es zuerst den guten und dann den schlechten Wein.
Du hast es genau andersrum gemacht. Erst der schlechte und jetzt der gute Wein!“

Der „Jesus-Wein“ ist qualitativ hochwertiger als der Wein,
der zuerst gereicht wurde. Das ist eine geradezu humorvoller Nebenaussage in dieser Geschichte. Die Frage, wie er aus Wasser Wein machte, ist eine Nebenfrage und interessiert den Evangelisten Johannes nicht.

Für mich ist diese Geschichte ein Wunder, weil der, der als Sohn Gottes seinen Fuß auf die Erde setzt, mittendrin ist im ganz normalen menschlichen Geschehen.
Und er sorgt dafür, dass Mangel beseitigt wird.
Er möchte, dass Menschen feiern können.
Er möchte, dass das Leben gelingt.
Und eben auch eine Hochzeitsfeier.
Jesus ist wahrlich kein Spielverderber.
Der Evangelist Johannes fasst die Geschichte zusammen:
“Dies ist das erste Zeichen das Jesus tat. Und seine Jünger glaubten an ihn.“


Zeichen für gelingendes Leben kann auch ich setzen.
Helfen. Trösten. Ermuntern. Unter die Arme greifen oder anpacken.
In ganz normalen Begegnungen. Im Alltag oder an Wochenenden.

Kein Wunder, wenn Leben dann gelingt.

Feierlichkeiten

 

Am vergangenen Sonntag haben wir eine Stapel Hochglanz-Zeitungen aus der Kirche mit nach Hause gebracht. „Feierlichkeiten“ prangt in großen Lettern auf der Titelseite.
Die 8-seitigen Zeitungen wollen wir an unsere Freunde und Bekannten verteilen, damit sie irgendwann im Laufe des Jahres mit uns feiern: Denn Feierlichkeiten werden das ganze Jahr über in unserer Kirchengemeinde  stattfinden. Unsere Gemeinde wird 175 Jahre alt. Und das feiert man eben nicht nur an einem Tag, sondern gleich das ganze Jahr über.
Wenn man sich die Hochglanzzeitung etwas genauer anschaut, dann entdeckt man darin auch ganz Alltägliches, wenig Feierliches: Berichte von Menschen, die sich regelmäßig zum Essen treffen, Hinweise auf die Diakoniestation, auf einen Hilfsverein für notleidende Menschen in Rumänien und Berichte über eine Integrationsarbeit mit Migranten.

Auch mein Alltag kommt in der Kirche vor. Deswegen gehe ich gerne hin. Auch dann, wenn es nichts Besonderes zu feiern gibt. Wenn freitags das Wochenende eingeläutet wird, dann freue ich mich manchmal schon auf den Sonntagmorgen.
Denn der Sonntag unterbricht meinen Alltag. Im Gottesdienst erlebe ich, dass durch die Gemeinschaft, durch die Lieder und durch die Predigt ein anderes Licht auf meinen Alltag fällt. Dass ich auf andere Gedanken komme. Und das tut mir gut.

Sicher, auch in Kirchengemeinden glänzt nicht alles, selbst wenn man sich für Feierlichkeiten herausputzt. Christen haben auch Ecken und Kanten, Sorgen und Probleme. Und das „System Kirche“ hat natürlich auch seine Schattenseiten.

Wenn der Alltag in der Kirche und der Glaube im Alltag Platz hat,
dann ist das auch ein Grund zum Feiern.

Heute ist ein feierlicher Freitag!

Und Sonntag wird auch wieder gefeiert!