Gottes freundliche Diener

 

Im Neuen Testament heißt es an einer Stelle, dass „Diener Gottes freundlich gegenüber jedermann sein sollen!“ Unter Diener Gottes stelle ich mir normalerweise irgendwelche schick gekleideten kirchlichen Würdenträger vor.

An den Bibelvers von den Dienern Gottes, die freundlich gegenüber jedermann sein sollen, musste ich im Laufe der vergangenen Woche gleich zwei Mal denken.

Und zwar deswegen, weil zwei Leute mir gegenüber so überaus freundlich waren, obwohl ich für sie ein Fremder war.

Am Sonntag war ich nachmittags zu einem Modellflugplatz gefahren. Ich habe mir nämlich so einen Segelflieger selbst zu Weihnachten geschenkt, traue mich aber nicht ganz, das Ding allein zu starten. Ein Vorstandsmitglied des Vereins empfing mich gleich am Parkplatz und fragte, wie er mir helfen könne. Und er nahm sich viel Zeit und hatte wirklich Geduld mit dem blutigen Anfänger. Er war einfach freundlich.

Drei Tage später habe ich meinen Sohn in die Skatehalle gebracht. Da ist er gerade Mitglied geworden. Empfangen wurde er, wurden wir von einem richtig netten ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins. Auch er war hilfsbereit, nahm sich Zeit, hörte sich unsere Fragen an und gab gleich ein paar der besten Tipps und Tricks fürs Skateboarden an meinen Sohn weiter. Er war einfach freundlich.

„Diener Gottes“ haben nur selten feinen pastoralen Zwirn an.
Und manche würden sich selbst wahrscheinlich nie als „Diener Gottes“ bezeichnen.
Vielleicht aber als „ehrenamtliche Helfer“.

Überall, wo Freundlichkeit und Hilfe gelebt wird, überall wo Menschen aufeinander zugehen und füreinander da sind, da leben sie eigentlich so,
wie Gott sich das gedacht hat.

Prima, dass es so viele ehrenamtliche Mitarbeiter in Vereinen und Organisationen gibt.
Und die Würdenträger? Über die freue ich mich auch. Meistens.

7.2.2012: Wie ein Schneekönig

 

„Er hat sich gefreut wie ein Schneekönig!“

Mit diesem Satz beendete eine Bekannte ihre Erzählung über ihren Nachbarn. Der Nachbar, der sich so sehr gefreut hat, ist aus ihrer Sicht kein freundlicher Mensch. Und von Freude ist bei ihm normalerweise keine Spur zu entdecken.
Noch nie hat sie irgendwelche positiven Gefühlsäußerungen bei ihm wahrgenommen.
Und wenn er einmal etwas sagt, normalerweise grummelte er vor sich hin, dann ist das meist etwas Nörgeliges.
So auch, als er sich neulich ausgiebig über das schmuddelige Regenwetter am Gartenzaun ausließ. Seit Wochen und Monaten ginge das so, der Winter sei sowieso ausgefallen und jetzt reiche es ja wohl. Nach endlosen Tiraden über das Wetter schloss er mit dem Satz: „Am liebsten würde ich mir einen Strauß Tulpen kaufen, den ins Wohnzimmer stellen und dann ist Frühling. Basta!“. Und dann drehte er sich um und war weg.

Nachmittags war meine Bekannte einkaufen. Und was fiel ihr ins Auge? Ein großer Strauß Tulpen!  Sie kaufte ihn spontan und abends klingelte sie bei ihrem Nachbarn.
Und er hat sich gefreut wie ein Schneekönig!

Meine Bekannte hat sich auch gefreut. Sie hat gar nicht so sehr über den Schneekönig-Nachbarn nachgedacht, sondern viel mehr über sich selbst. „Ich habe öfter mal so einen Impuls, einfach was zu machen, aber meistens schiebe ich den dann schnell weg und denke, dass ich keine Zeit habe oder dass das Unfug ist.

Die Sache mit den Tulpen hat mir Mut gemacht, so was öfter zu machen. Das macht auch mein Leben irgendwie ...... schöner!“

Tulpensträuße und Schneekönige, gute Worte und hilfreiche Taten,
die machen das Leben für alle Beteiligten schöner und fröhlicher.

Das ist übrigens auch ganz im Sinne Gottes.
Denn der will, dass es allen Menschen gut geht.

Endlich wieder Montag

 

kurz & gut / Montag, 6.Februar 2012


„Endlich wieder Montag!“, das haben heute morgen vermutlich trotz eines schönen Wochenendes etliche Leute gedacht. 
Die Initiatoren des Projektes „Glaube am Montag“ zum Beispiel.
Unterschiedliche Kirchen, Verbände und auch einzelne Christen haben eine Initiative gestartet, die sich dafür einsetzt, dass der christliche Glaube mitten im Alltag gelebt wird. Am Montag und Dienstag eben. Und während der ganzen Woche. Eben nicht nur am Sonntag in der Kirche.

Denn das war die gemeinsame Beobachtung der Initiatoren von „Glaube am Montag“: Sonntags zur Kirche gehen, das ist schön und gut. Aber  wie geht’s dann am Montag und im Laufe der ganzen Woche weiter?


Hat der Glaube, der am Sonntag innerhalb von Kirchenmauern gefeiert und erlebt wird, auch Auswirkungen auf den Alltag?

Kirchgänger sind keine besseren Menschen. Die Kirchgänger aber, die Impulse durch die Initiative „Glaube am Montag“ erhalten, die versuchen etwas aufmerksamer und auch tatkräftiger durch die Woche zu gehen.

Sie wollen sich neu aufmerksam machen lassen auf ihre Mitmenschen: Wo kann ich anpacken und helfen?  Wem kann ich ein freundliches Wort sagen? Wo kann ich mich auch gesellschaftlich zum Besseren einmischen, damit ich nicht nur sonntags schöne Reden höre, sondern der Glaube auch von Montag bis Samstag konkret wird.

„Endlich wieder Montag!“ Auch ich freue mich wieder auf meinen Alltag.
Auf die Menschen, denen ich begegnen werde.
Auf die, denen ich helfen kann und auf die, die mir helfen. 
Es wird bestimmt eine gute Woche.
Der Sonntag war doch auch gut.

 

Nordwestradio Samstag, 21.Mai 2011

kurz & gut / Samstag 21.Mai 2011

Jetzt ist wieder Wochenende.
Hoffentlich wieder ein sonniges, warmes Wochenende.
Die Monate April und Mai haben ja selbst uns Norddeutsche ordentlich mit gutem Wetter beschenkt. Sommerliche Temperaturen rund um Ostern und auch danach immer wieder mal. Einfach herrlich! Da lebt es sich doch gleich fröhlicher.
Die Sonne tut einfach gut.
Schön, wenn es warm und hell ist.

Wenn die Farben leuchtender erscheinen und alles irgendwie in einem besseren, angenehmeren  Licht erscheint.

Die sommerlich-warmen Ostertage sind schon wieder ein paar Wochen her.
Nicht nur unser Osterfest 2011 hatte es mit Licht und Sonne zu tun.
Im  biblischen Osterbericht  von der Auferstehung Jesu wird die Sonne erwähnt.
Zwei Frauen, so wird berichtet, machen sich in aller Herrgottsfrühe auf dem Weg zum Grab Jesu. „Und sie kamen zum Grab, sehr früh, als die Sonne aufging.“

Für die beiden Frauen, die eigentlich einen Toten ehren wollten und deren Gedanken wohl eher düster als sonnig waren, geht die Sonne auf.
Der Tag beginnt und es wird hell.
Aber nicht nur das: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das Leben siegt.
Gott hat durch das Ostergeschehen dafür gesorgt, dass es hell wird.
Dass das Leben weiter geht.
Menschen  können Hoffnung haben.

In einem modernen Kirchenlied heißt es:
„Jeder Sonnenstrahl, der mein Gesicht berührt, der kommt von dir, Gott!“

In diesem Sinne: Ein sonniges Wochenende!

 

Nordwestradio Freitag, 20.Mai 2011

kurz & gut / Freitag, 20.Mai 2011

Ich freue mich riesig drauf. Heute in zwei Wochen werde ich in Dresden sein.
Beim 33.Deutschen Evangelischen Kirchentag.
Gut einhunderttausend Menschen werden sich in der schönen Elbstadt treffen, um miteinander um ihren Glauben zu feiern und über viele Glaubensfragen und gesellschaftliche Fragen ins Gespräch zu kommen.

In Anlehnung an ein Wort aus der Bergpredigt lautet das Motto des Kirchentages:

„... da wird dein Herz auch sein!“  In seiner wohl bedeutendsten Predigt hat Jesus seinen Zuhörern deutlich gemacht, dass man im Leben immer Prioritäten setzt.
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz!“ hat er gesagt.

Jesus hat Prioritäten aufgezählt, die wir Menschen haben. Kritisch hat er sich darüber geäußert, wenn Menschen ihr Herz an Schätze hängen. An Reichtümer.

Nicht etwa, weil Reichtum an sich schlecht ist.

Sondern weil Reichtum oder Besitz dazu führen kann, dass man „sein Herz daran hängt“. „Sein Herz an etwas hängen“ das bedeutet „nichts anderes im Kopf haben“, „ständig damit beschäftigt sein“.

Jesus möchte seine Zuhörer davor bewahren, dass sie sich ständig Sorgen und Gedanken um das Erreichen oder um den Erhalt von Besitztümern machen. Er möchte, dass sie sorgenfreier und unbeschwerter leben.

Und deswegen lädt Jesus dazu ein, nicht in erster Linie an sich selbst zu denken.
Er macht deutlich, dass der Glaube an Gott immer auch dazu führt, dass man an andere Menschen denkt.  Und das man sich für andere Menschen einsetzt.


Der Kirchentag in Dresden wird mir dazu sicher wieder  gute Anregungen geben.
Das war auch schon beim letzten Kirchentag in Bremen so.

An die Tage an der Weser vor zwei Jahren denke ich gerne zurück.

Sie haben mein Herz im Sinne Jesu  leichter gemacht.

 

kurz & gut / Donnerstag,19.Mai 2011


Manchmal werde ich frühmorgens wach. Umdrehen und weiterschlafen klappt bei mir nicht. Ich stehe dann auf.
Und setze mich wieder hin.
Auf das Sofa in unserem Wohnzimmer.

Da wir im ersten Stock eines Hauses etwas außerhalb der Stadt wohnen, geht mein Blick dann oft über das noch im Dunkel liegenden Feld vor unserem Fenster.
Manchmal erlebe ich dann mit, wie die Sonne aufgeht. Formen und Farben werden Stück für Stück  deutlicher sichtbar. Die Welt vor meinen Augen wird in warmes  Licht gehüllt.

In dieser schönen Morgenstimmung fällt es mir dann meistens recht leicht, die Herausforderungen meines Alltags gelassen zu sehen. Und ich nicht selten werde ich dann dankbar für die vielen schönen Dinge meines Lebens, für die Freundschaften, die ich habe und für viele kleine Alltäglichkeiten.
Und manchmal bete ich dann. Und danke Gott für das Schöne in meinem Leben.

In einem heißt es: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn!“  Ich brauche manchmal Sonnenaufgänge, um Gott loben zu können. Dann fangen meine Tage nämlich langsam, besinnlich und still an.

Wenn der Wecker das erste ist, was ich am Tag  höre, dann ist das mit dem Gotteslob nicht so weit her. Dann geht es gleich ins Volle.

Sonnenmoment, ruhige Zeiten sind das, was ich brauche, um zur Ruhe zu kommen.
Und auch, um an Gott zu denken, um zu beten.

„Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn!“
Die Sonne scheint den ganzen Tag. Bis zu ihrem Niedergang.

Zeiten, in denen ich meinen Alltag unterbreche, in denen ich zur Ruhe komme und an Gott denke, das sind  für mich Sonnenzeiten des Lebens.





kurz & gut / Mittwoch, 18.Mai 2011

„Ich wünsche Ihnen Gottes Segen!“ oder „Gott segne dích!“. 

In unterschiedlichen Formulierungen hört man Segenswünsche.

Meistens in Gottesdiensten oder bei anderen Veranstaltungen, bei denen ein kirchlicher Würdenträger anwesend ist.

Was ist eigentlich mit dem Segen,

wenn weder eine Pastorin oder Pastor noch eine Kirche in Sicht ist?

Der Segen Gottes ist weder an  die Anwesenheit einer bestimmte Person noch an  einen bestimmten Ort gebunden.

In einem der bekanntesten Segenswünsche aus der Bibel heißt es: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“  Dieser Segenswunsch wurde und wird jedes Jahr den Gläubigen zugesprochen, die zum höchsten jüdischen Feiertag in Jerusalem zusammen kommen. 
Zu biblischen Zeiten war das so, dass die Gläubigen einen weiten und  beschwerlichen Weg auf sich nehmen mussten, um wenigstens einmal im Jahr den Segen vom Priester zu empfangen. Danach zogen sie wieder nach Hause. In ihren Alltag.

Erst nach einem Jahr kamen sie dann wieder in Jerusalem zusammen.


In ihrem Alltag hörten sie selten Segensworte. Aber sie konnten sich erinnern an den Segen des Hohenpriesters: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir!“
Das bedeutet so viel wie:  „Gott sei bei dir. Mitten in deinem Alltag. Gottes Gegenwart begleitet dich. Und: Gott meint es gut mit dir!“
Der Ort für den Segen Gottes ist der Alltag. Da ist Gott gegenwärtig.
Der Priester, der Pastor oder die Pastorin erinnern die Gläubigen  an Feier- und Sonntagen daran, dass Gott immer da ist.
Und sie wünschen den Gläubigen, dass sie das in ihrem Alltag auch erleben.
Dass sie Gutes erleben und dass sie dieses Gute dankbar aus Gottes Hand nehmen.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen. Viel Gutes. Mitten im Alltag

kurz & gut / Dienstag, 17.Mai 2011

„Hinsehen und Handeln“

Vor einiger Zeit trafen  sich zwei Menschen, die sich vorher nicht kannten.
Ein kleiner Junge war einfach auf die Frau zugekommen.

Er hatte die Tränen gesehen, die in ihren Augen waren.

Er sprach sie an, einfach so. Sein Lächeln, seine einfachen Worte und seine liebevollen Blick wird die Frau lange nicht vergessen.

„Warum sprichst du mit mir?“ hatte sie gefragt.
„Weil ich dich gesehen habe!“ war  die Antwort des kleinen Jungen.

Diese Begebenheit hat manches gemeinsam mit Geschichten, die im Neuen Testament von Jesus überliefert werden.

Die Worte und Taten Jesu wurden in den ersten Jahrhunderten fast ausschließlich mündlich überliefert. Die ersten Christen hatten keinen schriftlichen „Missionsauftrag“. Sie hatten keine aufgeschriebenen Regeln, nach denen sie gelebt haben. 

Die Christen haben das gemacht, was sie von Jesus gehört hatten.  Vielleicht hat sich deswegen der christliche Glaube in den ersten Jahrhunderten so schnell verbreitet.

Jesus hatte hingesehen. „Weil ich dich gesehen habe!“

Jesus hat einzelne Menschen gesehen, er ist bei Frauen und Männern stehen geblieben. Er hat ihnen Mut gemacht. Er hat sie aufgerichtet.

Hinsehen.

Andere Menschen sehen.

Auf sie achten.
Und dann Mutmachendes sagen.

Oder helfend zupacken.

Hinsehen und handeln – ein schönes Motto für den heutigen Tag.