"Pastor persönlich", 
das sind Erlebnisse und Gedanken von Carsten Hokema und Erik Neumann.

 

 

 

 



Mal geht es um ganz Banales, mal um Tiefsinniges. Wer sich darüber freut
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7. Dezember

Ein schönes Wochenende liegt hinter mir und hinter uns als Familie. Am Freitagnachmittag hatten wir ein paar Leute zu einem lockeren Adventsbeisammensein inkl. Fotoshooting (ich muss doch das neue Foto- und Blitz-Material für www.gottesgeliebtemenschen.de kennen lernen) eingeladen. Das war nett. Die Abende verbringen wir seit ca. 14 Tagen fast immer vor dem Kamin.

Samstag dann ein netter ruhiger Vormittag und dann ab nach Lüneburg zu Stine’s Schwester mit ihren drei Kindern. So eine Wiedersehensfreude! Sonntagmorgen dann von Lüneburg nach Geesthacht. Mit der ganzen Familie. Adventsbrunchgottesdienst. 35 Minuten Gottesdienst (mit einer 10 Minuten-Predigt von mir) und dann anderthalb Stunden schlemmen am Büffet. Na ja, und dann kam das eigentliche Highlight des Wochenendes.

Auf der Rücktour sind wir spontan an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme/ bei Hamburg hängen geblieben. Unsere beiden Mädels hatten letzte und vorletzte Woche das Thema NS und KZs in der Schule. Und Rike hat auch gerade „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ gelesen. Ach, da fällt mir ein, dass ich davon noch gar nicht mit stolzgeschwellter Brust berichtet habe… . Janneke war 2007 Vorlesesiegerin an ihrem Gymnasium. Vergangenen Donnerstag hat Rike „nachgezogen“.

Was das für sie bedeutet, wie sehr sie sich darüber freut, das kann man sich kaum vorstellen. Und wir freuen uns natürlich riesig mit. Das ist schon was. Wir hatten uns schon megamäßig gefreut, dass sie Klassensiegerin geworden war, dass sie jetzt aber auch noch die nächste Hürde geschafft hat, das ist wirklich beachtlich. Nun ja, und sie hatte sich eben einen Abschnitt aus „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ zum Vorlesen ausgesucht. Sicher auch nicht unbedingt das, was andere Kinder so vorgelesen haben.

Nun denn, gestern waren wir also in Neuengamme. Da ich innerlich im Moment sowieso etwas sensibel bin, haben mich die knapp zwei Stunden ziemlich bewegt. Und es war auch anrührend zu sehen, mit welcher Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit alle unsere Kinder bei der Sache waren.

Begeistert war ich von einer kleinen Truppe Ehrenamtlicher: Kirchliche Mitarbeiter, dien in einer kleinen Baracke sitzen und darauf warten, dass sie BesucherInnen eine kostenlose Führung anbieten können. Es war sehr wenig los. Ich tippe, dass wir die einzigen waren, die an diesem Nachmittag eine Führung erhielten. Mit welcher Hingabe dieser Mann uns das Gelände gezeigt hat, das war schon erstaunlich. Und er hat es dabei geschafft, das Unrecht von vor mehr als 60 Jahren nicht als abgeschlossen in der Vergangenheit zu lassen, sondern auf Strukturen in uns Menschen hinzuweisen, die auch heute noch das Böse fördern. Wie geht Deutschland 2009 z.B. mit Asylanten um? Fragen über Fragen. Und Berichte, Geschichten, Bilder von geschundenen und leidenden Menschen.

Das hat die Kinder und auch uns bewegt. Lange haben wir noch auf der Rückfahrt darüber gesprochen. Gedämpfte Stimmung. Verständlicherweise. Bis dann ein Kind plötzlich sagte
„Können wir jetzt mal was Lustiges besprechen?“ Haben wir dann auch gemacht. Und die Kinder haben eine Stunde lang mit den Wise Guys im Auto geröhrt, gesungen, gelacht, innerlichen Druck abgelassen.

Und dann wieder ein wunderschöner Abend vor dem Kamin.
Und jetzt eine fast ganz normale Woche- Lust aufs Arbeiten habe ich nicht. Was soll‘s? Manchmal muss man einfach seinen Hintern hoch kriegen… .

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