"Pastor persönlich", 
das sind Erlebnisse und Gedanken von Carsten Hokema und Erik Neumann.

 

 

 

 



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2. Dezember

Jetzt ist es Advent. Ich kann damit momentan so gar nichts anfangen. Mir gehen andere Dinge durch den Kopf. Advent heißt „Gott kommt“. Manchmal denke ich etwas sarkastisch: Schön wär’s! Schaue ich mir die Nachrichten an, dann dreht sich mir der Magen um. Schaue ich auf manches Erlebte und auf manche Zustände, die ich so mitbekomme, dann merke ich auch nichts davon, dass Gott kommt.

Als Trost oder Selbsthilfe denke ich dann an solche Bibelworte, die davon sprechen, dass der Glaube ein Hoffen, ein festhalten an dem, was man nicht sieht ist. Natürlich schleicht sich sogleich auch der Gedanke ein, dass das was mit Jenseitsvertröstung zu tun hat, dass der Glaube gar nicht relevant ist für die Gegenwart. Wenn ich mit meinem Glauben verbinde, dass Gott wie ein Automat auf meine Wünsche, Stimmungen und Situationen eingeht, dann ist das wohl wirklich ein Irrweg.

Wer hat mir eigentlich gesagt, dass Gott der Erfüllungsgehilfe für mein Leben ist? Ich tippe mal, dass das hauptsächlich aus meiner evangelikalen Prägung kommt, die ich nun schon seit ca. 20 Jahren versuche abzulegen. Manche Gedanken halten sich aber ziemlich hartnäckig. Wäre ich in einem erzlutherischen Hause aufgewachsen, so wäre es mir vermutlich auch jetzt ein noch größeres Anliegen, diese Welt im Sinne Gottes zu verändern. Ich würde vermutlich mehr an andere Menschen denken als an mich selbst.

Gott soll ja nicht an meinem kleinen Reich mit basteln, sondern ich an seinem großen Reich. Dieser Gedanke, den ich mir in letzter Zeit immer wieder in allen Variationen sage, ja, geradezu vorbete, hilft mir. Er hilft mir wegzuschauen von meiner kleinen Welt, hin zur geliebten Welt Gottes. Die Tränen, Kriege, das Leid dieser Welt ist damit noch nicht beseitigt. Ich bekomme aber wieder einen neuen Ansporn, nicht alles beim Alten zu lassen. Anzupacken. Aufzustehen. Das Evangelium weiter zu sagen und weiter zu leben. In Wort und Tat. Dass das befreiende Wort von der unauflöslichen Liebe Gottes unbedingt zum Evangelium dazugehört, das habe ich in den wunderbaren Tagen in Stendal wieder neu begriffen.
Welch‘ eine befreiende Sache, wenn Menschen das annehmen können, dass sie von Gott geliebt sind. Welch‘ ein wunderschöner Perspektivwechsel, wenn Menschen sich als geliebte Menschen Gottes glauben können. Ja, ich habe in Stendal auch mir selbst gepredigt.

Mit diesem Evangelium im Rücken lebt es sich auch für andere besser. Mitten in der Adventszeit. Ob mir nach Advent ist oder nicht. Ob ich mit der Botschaft des Advent etwas anfangen kann oder nicht. Es ist ja einfach nicht so wichtig, dass Gott zu mir kommt. Die Individualisierung des Glaubens ist wohl alles andere als biblisch. Es kommt doch wohl darauf an, dass Gott in Jesus Christus seiner geliebten Welt und damit allen Menschen nahe gekommen ist. Das hat er einmal gemacht. Vor 2000 Jahren. Das wird er wieder mal machen. Wenn er für alle sichtbar wiederkommt. Bis dahin wird er wohl durch mich, durch andere Menschen (Christen und Nichtchristen) kommen. Zu den Menschen.

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